.berlin als Top-Level-Domain

03.02.2006 | 17:45 Uhr | von Dominic

Wir schaffen die Identität der Berliner Community im Internet

“.berlin ist die eigenständige Domain-Endung der Berliner Community im Internet. Die damit verfügbaren lokalen Adressen sind prägnant und schaffen Identität für Bürger, Unternehmen und Institutionen, intuitiv finden so Anbieter und Nachfrager von Informationen, Waren und Dienstleistungen zueinander. Die .berlin-Domains stärken das Gemeinschaftsgefühl der Berliner, fördern Kommunikation und erleichtern Interaktion; sie setzen dadurch Impulse für Innovation und Entwicklung. Für Berliner und Nicht-Berliner steigt die Attraktivität von Orten mit dem Namen Berlin als Besuchsziel, Wirtschaftsstandort und Lebensraum.”

Gelesen bei dotberlin, den Leuten Dirk Krischenowski und Alexander Schubert, die sich für eine .berlin Domain und anschließende monopolistische Verwaltung (€€€!!!) einsetzen.

Selten so einen buzzwordbelasteten Bullshit Werbetext gelesen, da weiß ich garnicht ob das Ernst sein soll, oder die Leute einfach nur richtig tief inhaliert haben.

Community, Kommunikation, Innovation, Entwicklung und Arbeitslosigkeit gibts schon längst, auch ohne .berlin.
Was soll so eine geile Domain denn kosten? 5€ im Monat, oder 10€?
www.blabla-berlin.de gibt’s doch heute hinterhergeschmissen. Die .de Domains sind eine, wenn nicht die günstigsten überhaupt – und die kann man bei jedem Provider bestellen und legt sich nicht auf einen einzigen Betreiber fest, zu dem es im Fall von Problemen oder überzogenen Preisen keine Alternativen gibt.
Und wenn Hausfrauen und Nicht-DNS-Serverbetreiber eine Webadresse eingeben, werden sie misstrauisch oder verwirrt, wenn hinten .de fehlt. Viele sind mit .com .net .org .info und .pipapo schon maßlos überfordert.

Das geilste sind ja die total sinnlosen Testimonials

“.berlin bietet der Berliner Hotellerie die Chance für einen modernen, klarstrukturierten Auftritt mit leichter Auffindbarkeit im weltweiten Netz.“ ( Hans Eilers
Vorsitzender, BTM-Partnerhotels e.V.)

Klare Struktur und leichte Auffindbarkeit erreicht man aber nicht mit noch tausend zusätzlichen Top-Level Domains sondern Optimierung der besehenden Webseite für Suchmaschinen und Besucher.

“Besonders interessant finde ich die Idee, allgemeine Begriffe als Portalseite gestalten zu lassen, also etwa “kino.berlin” nicht von einem Kinobetreiber von vielen, sondern als Einstiegsseite für alle Berliner Kinos. Das ist mal eine innovative, sinvolle Ausnutzung des Domain-Name- Systems, bisher muss das von Suchmaschinen übernommen werden. Auch der “local community”-Ansatz ist vielversprechend.” ( Iliya Nickelt,
Vertreter des “Virtuellen Ortsvereins” der SPD (VOV) bei ICANNs NCUC)

Nein, eine Portalseite für Berliner Kinos? Etwa mit Programm, Beschreibung der Kinos und Adressen vielleicht noch? Mensch, wenn es sowas nicht schon x-fach gäbe, wäre das durchaus eine richtige Innovation!
Was da eine bessere Ausnutzung des DNS sein soll, die bisher von Suchmaschinen übernommen werden “muss”, kann ich nicht mal erahnen. Beides hat einfach mal relativ wenig miteinander zu tun – Suchmaschinen würden auch ohne DNS relativ gut funktionieren.
Und die Funktion der Suchmaschinen auf Menschen zu übertragen, nach dem Motto wir probieren mal alle Kombinationen von Domainnamen und Endungen durch, dürfte wohl alles andere als fortschrittlich, innovativ und vorallem erfolgbehaftet sein.

“Für .berlin-Domains sehen wir einen echten Bedarf!” ( Elmar Knipp
Geschäftsführer Knipp Medien und Kommunikation GmbH)

Ganz klar, für .mönchengladbach sehe ich auch einen echten, nahezu undeckbaren Bedarf.

Um nicht nur rumzukritisieren, habe ich sogar mal einen besseren VerbesserungsVorschlag:
Die Personen hinter der Idee sollten sich mal mit den Betreibern der Domain berlin.de in Verbindung setzen und eine exklusive Verwertung von Subdomains gegen entsprechendes Entgelt anbieten.
Der Technische Aufwand und entstehende Kosten wären da verhältnismäßig gering, dadurch könnte man (wäre man fair und ginge es einem wirklich um Community und irgendwelche Impulse) relativ günstig (25-50 Cent im Monat wären sicher problemlos machbar) berlin.de Subdomains an Interessierte vergeben.
Und wenn das Modell dann dadurch “Impulse für Innovation und Entwicklung” gibt, könnte man nachdenken, das nach hamburg.de oder frankfurt.de zu übertragen. Wiederum ohne großen Aufwand und Kosten, die durch eine zusätzliche Top-Level-Domain entstünden.

gefunden via Hauptstadtblog

Kommentare zu diesem Artikel:

Ziemlich panne, wie das Beispiel mit .mönchengladbach zeigt. Riesig peinliches Potential. Laughing out loud

Aber es geht ja noch lustiger. “Darf der katholischen Kirche .god gehören?” ist da noch eine der bizarren Fragen, oder eine .xxx-Domain, damit man im mittleren Osten und in Zensurland gleich weiß, was man sperren darf? Regionale Domains passen auch gut ins bisherige System, .mobi ist schon ein blöder Kompromiss, auch nur Geldschinderei.

Gute Analyse. Ich sichere mir gleich eine .pipapo-TLD. Smiling

Von platzhalter (nicht überprüft) | 12 Februar, 2006 - 10:21 |
Dominic's picture

Ja ziemlicher Unsinn. Am Ende haben wir für .kino .cafe .puff und .mülltonne je eine eigene (teure) TLD.

Von Dominic | 23 Februar, 2006 - 01:58 |

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